1) Ramona (23) schrieb am 23.10.2002
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Ich bin damals richtig stolz auf das Thälmann-Pioniertuch gewesen - endlich hatte auch ich es von einem viel älteren Jungen erhalten. - auch wenn ich das ewige vorne Antreten beim Fahnenappell gehaßt habe...weil ich mal wieder meine Pionierbluse oder das Halstuch vergessen hatte. Ich denke daß es eine schöne Zeit war, auch wenn man nicht alles kaufen konnte, es bestand ein ganz anderer Zusammenhalt in der Gesellschaft. Ich habe zum Beispiel freiwillig im Chor mitgemacht und viele viele Pionierlieder gelernt... auf Anfrage könnt ihr sie haben mit Noten ;-). Es gab jeden Mittwoch Arbeitsgemeinschaften, wo man nachmittags auch viel zu tun hatte. Was ich nicht mochte war, daß am Sonnabend Schule war... ;-) Im großen und ganzen war es eine schöne Zeit als Jung - und Thälmann-Pionier!
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damals Pionier in Dalmsdorf, Bezirk Neubrandenburg - heute Wilhelmshaven, Niedersachsen
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2) Robby (23) schrieb am 6.11.2002
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Ich habe die Fahne getragen als ich Jungpionier war und ich konnte davon gar nicht genug haben. Auch in der Schule, habe ich jeden Tag nach der Schule mit dem Hausmeister verbracht und ihm geholfen kaputte Sachen wieder ganz zu machen. Dafür wurde ich sogar ausgezeichnet. Was mir am besten gefallen hat, war immer der Marsch zum 1. Mai da bin ich ganz früh aufgestanden und hab mich total hübsch gemacht, weißes Hemd an, blaues Tuch um und los ging es mit der Fahne. Ich war so stolz das ich auf der Straße für die Jungpioniere die Fahne tragen durfte. Was auch sehr schön war, das alle im Eingang von unsern Block sich kannten und wenn Weihnachten war, haben wir unten im Gemeinschaftskeller gefeiert, auch Silvester, jeden erdenklichen Feiertag selbst Geburtstage. Das waren noch sehr schöne Zeiten. ;o)
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damals Pionier in Senftenberg, Bezirk Cottbus - heute München, Bayern
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3) Beatrice (29) schrieb am 9.11.2002
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Viele Erinnerungen sind nicht gerade verschollen, aber liegen irgendwie im Nebel. aber das liegt wohl nicht an der Kindheit in der DDR, sondern daran, daß man sich nicht an alle dinge in seiner Kindheit erinnern kann. Die Lieder... ich glaub, die texte kann ich noch immer. irgendwie ist das lustig, aber ich wünsche mir diese zeit nicht zurück. andererseits haben mich die Erlebnisse meiner Kindheit und Jugend zu dem Menschen gemacht, der ich bin. ich weiß, daß ich zur zeit der wende und auch einige zeit davor andere Sachen im kopf hatte als die Politik. was soll ich sagen... mitten in der Pubertät eben. dennoch kann ich mich an kuriose Diskussionen im Staatsbürgerkundeunterricht erinnern. ein Beispiel? bitteschön: in unserer Gegend wurden viele Tomaten angebaut, trotzdem gab es kaum Ketchup zu kaufen. wir, also meine klasse, haben die Sache hinterfragt und sind doch zu keinem Ergebnis gekommen. unsere Staatsbürgehrkundelehrerin war übrigens überzeugte Marxistin/Leninistin und hat dennoch mit uns darüber diskutiert. erstaunlich. im nachhinein will ich aber gar nicht wissen, wer alles in meinem Bekanntenkreis Informationen über mich weiter gegeben hat... mein altes Staatsbürgerkundelehrbuch habe ich übrigens noch und werde es mir gelegentlich mal zu Gemüte ziehen... eine Sache, die ich sicher nie vergessen werde sind die Fahnenappelle. wer könnte das je vergessen... es war wohl in jeder schule das gleiche. während die jung- und Thälmannpioniere voller stolz ihr "immer bereit" hinausschmetterten, kam von den FDJlern meist nur ein gerauntes tiefes "Freundschaft". "das machen wir noch mal", hörten wir wohl öfter... lustig, sich daran zu erinnern... je länger ich darüber nachdenke, um so mehr Geschichten fallen mir ein... da wäre das "Lager für Erholung und Arbeit"... kennt das noch jemand? umgangssprachlich "Arbeitslager" genannt. und dann gab's da ja auch noch PA-Unterricht... ach ja, im nachhinein ist das alles ganz nett. aber es ist eben Vergangenheit - und das ist auch gut so!
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damals Pionier / FDJler im Bezirk Potsdam - heute Berlin
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4) Simone (33) schrieb am 15.11.2002
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Tja, woran erinnert man sich meistens? An die schönen und lustigen Erlebnisse in Kindheit und Jugend. Ich habe alles mitgemacht- Jungpionier, Thälmannpionier, FDJ. Nur nicht Partei. Jedesmal war man stolz: zuerst aufs blaue Halstuch, dann aufs rote und schließlich aufs Blauhemd (das nach einiger Zeit nur noch unterm Pullover getragen wurde, so daß nur der Kragen rausschaute). Und bei den Maidemonstrationen ließ man sich kurz blicken und machte sich dann dünne um den freien Tag zu genießen. Irgendwie war der Lebensweg jedes Einzelnen vorgezeichnet. Kindergarten- Schule- Studium oder Lehrzeit- Asche- Familie+ Beruf- Rente. Und wer sich nicht organisieren ließ, durfte meist auch nicht studieren. Trotz allem aber war meine eigene DDR- Zeit schön, wahrscheinlich weil die Jugend eben die schönste Zeit im Leben ist, und daran können Mangelwirtschaft, politische Zwänge und Mauer nichts ändern...
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damals Pionier / FDJler in Berlin-Pankow, Hauptstadt der DDR - heute Velten, Brandenburg
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5) Silvio (30) schrieb am 17.11.2002
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Ich fand es eigentlich immer schön wenn man damals als Pionier seine Pionierkleidung und als FDJler sein Blauhemd tragen konnte. Man war immer festlich angezogen. Die Pionierkleidung und das FDJ Hemd mußte immer zu den Appellen und zu festlichen Anlässen getragen werden. Ich finde man sollte vielleicht wieder über solche Uniformen nachdenken. Muß ja kein rotes Halstuch sein.
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damals Pionier / FDJler in Leipzig, Bezirk Leipzig - heute Heidelberg, Baden-Württemberg
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6) Silvio (27) schrieb am 18.11.2002
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Tja Dirk, die Frage: Wer bin ich? oder Wer war ich damals... hat sich alles so entwickelt, wie wir uns das gewünscht und vorgestellt haben, trifft auf den Zeitgeist. Und es ist gut, daß Menschen viele gute Erinnerungen an die Zeit haben, wo Ideale viel mehr gezählt haben als heute. Ich freue mich, daß Du dieses Thema aufgegriffen hast. Immer mehr merke ich, daß ich viel vergessen habe. Zu viel. Es wird mir wieder bewußter und das ist gut so.
"Seid bereit! Immer bereit!"
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damals Pionier / FDJler in Marienberg, Bezirk Karl Marx Stadt - heute Marienberg, Sachsen
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7) Nadine (24) schrieb am 19.11.2002
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Ja, also ich erinnere mich noch an die Fahnenappelle. Wenn man da noch mal die Zeit zurückdrehen könnte, um sich das alles noch mal anzuschauen... Ich war eigentlich auch stolz Pionier zu sein, ich hab auch irgendwie daran geglaubt. Es war in DDR vieles besser organisiert, Ausbildung usw., es gab gute und schlechte Seiten, wie jetzt auch. Na ja ich erinnere mich aber auch, wie uns immer gelehrt wurde, daß der Westen unsere Feinde sind. Ich hab mich als Kind immer gefragt, wie so was sein kann, wo wir doch Verwandte im Westen hatten. Na ja aber die Lehrer mußten das wohl machen. Dann erinnere ich mich noch an den Tag, wo wir das rote Halstuch bekommen hatten. Kurz vor zu Hause, haben wir uns das förmlich abgerissen, sowie eine Befreiung, von dem Ganzen. Das war zu der zeit, wo es mit der DDR zu Ende ging (88/89.) Ich hab da gemerkt, daß es eine Veränderung geben wird.
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damals Pionier in Plauen, Bezirk Karl Marx Stadt - heute Plauen, Sachsen
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8) Jana (31) schrieb am 21.11.2002
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Obwohl ich kein Pionier, FDJler war, war diese Zeit eine sehr schöne Zeit. Ich bin gern zur Schule gegangen, auch wenn ich so manches Fach gehaßt habe (Chemie z.B.). Ich bin der Meinung, daß Kinder und Jugendliche damals gut aufgehoben und gut beschäftigt waren. Wir hatten jedenfalls nicht so viele blöde Gedanken und keine Langeweile. Der Zusammenhalt war besser, jeder wußte wohin, wenn man Probleme hatte. Auch die Eltern waren entspannter, weil diese scheiß Existenzängste nicht waren. Sicher, nicht alles war rosarot, aber vieles war einfach besser eingerichtet (Krippe, Kindergarten...). Alles in Allem kann ich sagen, es ist ein gutes Gefühl ein "Ossi" zu sein, weil wir irgendwie "menschlicher" groß geworden sind. Mangel und das tägliche Organisieren, wo ich was herkriege: Das schweißt eben zusammen!!
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damals in Rossleben, Bezirk Halle - heute Rossleben, Thüringen
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9) Nadine (22) schrieb am 21.11.2002
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Am Tag der Grenzöffnung waren die Schulklassen leer. Viel meiner Freunde sind gar nicht wieder in die Schule gekommen, weil sie gleich mit ihren Eltern weggezogen sind. Ich habe nur 9 Jahre in der DDR gelebt, schlecht fand ich es als Kind allerdings nicht, was Viele jetzt nicht nachvollziehen können und wollen.
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damals Pionier in Leipzig - heute Leipzig, Sachsen
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10) Dirk (26) schrieb am 24.11.2002
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Als ehemaliger Gruppenratsvorsitzender durfte ich nicht nur Schülern aus meiner Klasse ein Vorbild sein. Aus der Zeit sind mir leider nur noch gute Erinnerungen und ein ganzer Kasten voll Urkunden geblieben.
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damals Pionier / FDJler in Karl-Marx-Stadt - heute Frankfurt, Hessen
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11) Katrin (37) schrieb am 29.11.2002
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Halli, hallo, ich möchte meine "Pionier -und FDJ-Zeit" niemals missen. Ich habe in dieser Zeit eine Menge an Leuten kennengelernt und immer viel Spaß gehabt. Die Erinnerungen werden immer wieder durch Klassentreffen aufgefrischt. Es mag vielleicht komisch klingen, aber ich bekomme immer wieder eine Gänsehaut, wenn ich die "alten" Lieder (nicht nur Pionier- und FDJ-Lieder, nein auch die von Karat oder von den Pudhys z.B.) höre.
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damals Pionier / FDJler in Kleinpaschleben, Bezirk Halle - heute Bärenklau, Brandenburg
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12) Kathrin (26) schrieb am 1.12.2002
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Ach ja wie schön es doch war... vermisse die Zeit schon ein wenig..... Leider hat meine Mutter alle Sachen weggeworfen was mit Pionieren oder FDJler zu tun hatte. Als die Grenzen geöffnet wurden war ich auch nicht in der Schule sondern in Hamburg, das war ein komisches Gefühl "wow jetzt schwänze ich die Schule". Es gab so viele schöne Sachen zu kaufen, Schokolade, Club-Cola ... auch bekomme ich eine Gänsehaut bei den alten Liedern... kann sogar noch einige Lieder mitsingen (Wenn Mutti früh zur Arbeit geht...) Ach wie hab ich mich doch erwachsen gefühlt mit dem FDJ-Hemd, man das waren noch Zeiten....
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damals Pionier / FDJler in Güstrow, Bezirk Rostock - heute Hamburg
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13) Tom (33) schrieb am 3.12.2002
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... "Jegliches hat seine Zeit" ... so singen es doch auch die Puhdys. Ich habe sehr gute Erinnerungen an meine DDR - Zeit, weil es ja auch meine Kindheit war. Und für Kinder, da brauchen wir uns alle nix vormachen, war die DDR ein hervorragendes System. Die gesamten politischen Zwänge und auch teilweise Repressalien die hatte ich glücklicherweise nicht mitbekommen, denn gerade als ich "fertig" war (Schule, Lehre, ...) kam die Wende.
Mit einem Schmunzeln beobachte ich die mir von damals bekannten Sachen wie z. B. Vita Cola, Russisch Brot, oder Rondo Kaffee. Ich vermisse die Zeit in der DDR nicht, doch ich finde es schön, daß ich sie miterleben konnte. Sie hat mich auf jeden Fall persönlich bereichert.
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damals Pionier / FDJler in Erfurt - heute Berlin
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14) Sandra (24) schrieb am 7.12.2002
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Ich kann mich nur noch an Bruchteile erinnern. Z.B. den "1.Mai-Umzug" in Apolda. Alle hatten rote Nelken. Oder der Appell auf dem Schulhof mit dem lauten Geschrei "Seit bereit- immer bereit", und alle hoben die Hand zum Gruß. Irgendwie war der Zusammenhalt stärker als heute...
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damals Pionier in Wickerstedt, Bezirk Erfurt - heute Extertal, NRW
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15) Matthias (35) schrieb am 8.12.2002
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Ich komme aus einem relativ >reaktionären< Elternhaus. Trotzdem war ich/waren meine Eltern dann doch nicht solche Patrioten, daß sie mich und meine Schwester aus dem ganzen Theater ausgeschlossen hätten schon wegen unserer Berufsperspektive als potentielle Mediziner. Also: das Schulsystem der DDR von dem ganzen Politballast und paramilitärischem Mist mal abgesehen war vorbildlich. Leistungsanforderungen und Qualitätskontrolle waren immer hoch. So wie heute in den Schulen Dummbeutel am Fließband zu produzieren war eigentlich unmöglich. Das absolute Highlight war mein Besuch in der Pionierrepublik >Wilhelm Pieck< von Ende Februar bis Anfang April 1980, zu dem ich wie die Jungfrau zum Kind gekommen bin. In den ganzen 6 Wochen war nicht eine Minute unorganisiert (ne, echt nicht!), und das ganze hatte schon etwas den Anstrich >Kampfreserve< (Treffen mit Palästinensern, Pflichtkosum der Aktuellen Kamera usw.). Ich war nicht überglücklich, als ich hin durfte, und nicht traurig, als es wieder heim ging. Der Clou: Sinn uns Zweck des Besuches war eigentlich, eine >thematische Mitgliederversammlung< sozusagen im Profiformat vorzubereiten, die dann an der Heimatschule abgehalten werden sollte. Thema: >Lenins Träume werden wahr<. Als ich wieder zu Hause war, war besagte Mitgliederversammlung schon Geschichte, und außer unserem damaligen Vikar (heute Theologieprofessor in Moritzburg) hat sich von der Schule kein Aas jemals danach erkundigt, was ich dort sechs Wochen getrieben habe. |
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damals Pionier / FDJler in Borstendorf, Bezirk Karl-Marx-Stadt - heute Bremen
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16) Peter (36) schrieb am 12.12.2002
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Ich bin froh, in UNSEREM Teil des Landes groß geworden zu sein, das beugt vor gegen eindimensionale Ansichten. Ich habe die DDR als ziemlich demotorisiert erlebt, da mein Vater erst nach der Kapitulation den Führerschein machte. Ich konnte das Land per Bahn kennenlernen und das war, von den Verspätungen etc. abgesehen, lehrreich und bildend. Ich war als Kind 'n ziemliches Großmaul - im Sinne von zu selbstbewußt - und habe überall mitgemacht: Pioniere / FDJ und immer irgend 'ne PillePalle Funktion besetzt. Allerdings stimmte ich im zarten Alter von 9 Jahren auch mal gegen die Wahl unseres Gruppenratsvorsitzenden, was ich sogar begründen konnte. Na ja, das war sicher nicht der Grund für den Niedergang des dritten großen U des Weltsports. Fazit: Mir ging's gut. Ich hatte keine Verwandten im Westen und habe eigentlich nichts vermißt. 12 Jahre Schule waren okay, Grundausbildung bei der Truppe überlebt und 1987 rechtzeitig den Absprung von der Dauerverpflichtung geschafft. Ich wurde dennoch nicht verfolgt, diskriminiert usw. usf. - Nicht jeder hatte ein so schweres Päckchen zu tragen wie Kai Pflaume (großer Widerstandskämpfer, weil Kirchenmitglied - *o toll*) |
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damals Pionier / FDJler in Apolda, Bezirk Erfurt - heute Gelnhausen, Hessen
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17) Christian (45) schrieb am 13.12.2002
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Ja, Pionier bin ich nie gewesen. Dafür wußten alle im Dorf, daß ich der Pfarrerssohn bin. Wenn dann Lehrer im Biologie- oder Geschichtsunterricht sehr undifferenziert über Kirche und Glauben vor der Klasse gesprochen hatten: >Stellt euch mal vor Kinder, früher da hat die Kirche Menschen verbrannt, nur weil sie nicht an Gott glaubten. Und vor allem wollte sie, daß die Kinder nicht lernen und zur Schule gehen wie ihr. Und dann liebe Kinder, erzählen auch heute noch die Kirchen, daß die Menschen von einem Gott, der im Himmel ist, aus Erde gemacht sind. Der große sowjetische Kosmonaut, Juri Gagagarin, ist schon da oben im Himmel gewesen, aber dort hat er keinen Gott gesehen.< Nach solchen oder ähnlichen Vorträgen passierte es dann immer wieder, daß Kinder auf dem Schulhof in der Pause gehänselt und verprügelt wurden, weil sie noch zur Christenlehre gingen. Also duckten viele ab. Aber das ging bei mir nicht. Alle wußten es, wo ich her kam. >Pfaffe! Pfaffe! Betest du jeden Tag zum Himmel? Gott, ich bete dich an! Los, bete jetzt mal hier! < Und dann wurde es auch schon mal handgreiflicher. Erst wenn sie es zu arg trieben, bekam es die Pausenaufsicht mit und beendete das böse Spiel, das sie aber indirekt selber verursacht haben. Später war ich dann aber in der FDJ, weil schließlich ich Abitur machen wollte. Die Diskussionen über die Rolle von Religion und Kirche wurden spannender, weil wir als Jugendliche kritischer nachfragten. >Ja, was kommt denn nach dem Kommunismus, wenn sich alles immer weiter entwickelt? Warum darf mein Cousin aus Hamburg mich besuchen im Sommer, aber ich darf nicht zu seinem Geburtstag? < Und natürlich war am Donnerstagmorgen das Hauptthema in der Schule die Hitparade vom Deutschlandfunk mit Carlo. Gegen "Satisfaktion" oder "Lola" kamen nun die Lehrer nicht mehr an. Ja, und es änderte sich auch meine Stellung in der Schule. Ich war einer der wenigen, die langen Haare tragen durften und echte Bluejeans hatte. Im Beatschuppen der Kirche gab es bei der Musikauswahl keine 40/60 % Regeln, wie in der Schule oder Diskothek. Ja, die DDR war schon eine bigotte autoritäre Gesellschaft. Verklemmt und verlogen. Schüler wurden abgestraft, wenn sie ein Bravoheft oder auch nur ein Bild daraus mit der verehrten Rockgruppe mit in die Schule brachten. Dabei waren doch gerade die jüngeren Lehrer genau so scharf darauf. Also heute ist der Pioniergeburtstag. Behaltet euere schöne Kindheitserinnerung. Es hat ja auch Spaß gemacht, Lehrer und Trappos zu provozieren, wenn man zur "Klärung eines Sachverhalts" mitgenommen wurde. Aber schaut euch diese Zeit noch einmal genauer an. Sicherlich, in der DDR wurden keine Kirchen geplündert wie in der "Heimat aller Werktätigen", aber wieviel kleine Seelen und Herzen wurden verbogen und schon frühzeitig zur Doppelzüngigkeit genötigt. Wie vielen wurde die religiöse und auch philosophische Dimension des Lebens und Nachdenkens mit plumpen Vulgärmaterialismus gründlich ausgetrieben? Ich meine es gibt so etwas, wie geistliche und geistige Massenmorde. An dem Leichengift kranken die Regionen von Oberwiesental bis Kap Arkona noch heute. Denkt mal drüber nach. Gedenktage sind ja genau dazu da. |
Kommentar:
Auf meine Nachfrage bei Christian kam keine Antwort ...
Mit Ideologie jeglicher Art kommt man in der jetzigen Zeit auch nicht weit! Vor allem ehrlichen Menschen mit den Erfahrungen, die sie gemacht haben, Vorwürfe und mit Angriffen entgegen zu treten finde ich ist in einer toleranten Demokratie nicht angebracht. |
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damals FDJler in Langenweddingen, Bezirk Magedeburg - heute Berlin
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18) Christoph (20) schrieb am 13.12.2002
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Ich fand die Zeit damals toll, zumindest im nachhinein. Ich kann mich auch daran erinnern wie mir meine Mutter auf dem Schulweg hinterher rief "Du hast dein Halstuch vergessen", also zurück, man wollte ja keine 5 in Ordnung bekommen. Ich fand es dennoch gut und auf meine Pionieruniform war ich stolz. Ich habe unsere junge Pionierleiterin auch immer bewundert in Ihrem FDJ Hemd beim Appell. Und noch etwas, damals hatte man es erheblich leichter, man tat alles für irgendwen, und wenn es nur "für Frieden und Sozialismus" war. Ob das nun gut oder schlecht war sei dahingestellt. Heute fragt man sich manchmal wofür man Dinge tut, für Geld? Oder Anerkennung? Na ja die Zeiten haben sich geändert. |
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damals Pionier / FDJler in Rostock, Bezirk Rostock - heute Rostock, Mecklenburg-Vorpommern
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19) Tobias (32) schrieb am 16.12.2002
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Den Film Sonnenallee fand ich erst gar nicht so besonders. Aber erstaunlicherweise hat er doch etliche Erinnerungen hervorgerufen. Trotz des hohen Lebensstandards vermißt man ab und zu die alte Zeit! Wie war das damals? Ich erinnere mich noch ganz gut an das Westfernsehen! Am meisten vermisse ich RIAS2! Das waren noch Zeiten! Ich war in der AG Fotographie. Habe selber meine Bilder in s/w entwickelt! Ich war zusätzlich noch in der AG Physik und habe ein Mini-Transistor-Radio gebastelt, damit man RIAS hören konnte! In der GST war ich als Funkamateur. Ich erinnere mich noch an die Zeitschriften Atze und Frösi. Die Mosaik habe ich noch heute im Abo! Ich erinnere mich noch an das alte Sandmännchen: Geschichten erzählen von Freude und (war so ne Art Sendung mit der Maus, wo Berufe vorgestellt wurden). Ich erinnere mich noch an das "Seid bereit - immer bereit", auch später als wir als FDJler die Hofaufsicht auf dem Schulhof gemacht haben. Ich war in der FDJ-Leitung. Ich erinnere mich auch an die Überredungsversuche, doch freiwillig 3 Jahre zur NVA zu gehen und an unseren PA Unterricht auf der LPG. Ich erinnere mich noch an die Knetmasse Suralin, die es dann plötzlich nach der Wende, nicht mehr gab, an meine stundenlangen Fahrradbasteleien mit der 3-Gang-Schaltung. Ich erinnere mich noch an meine Lehre und meinen Arbeitsweg: erst mit Bus, dann mit der Eule und dann noch mit der Straßenbahn. Ich erinnere mich noch an die riesigen Felder voll mit W50- und L60- Lkws für den Iran-Irak-Krieg. Ich erinnere mich noch an den ersten Computer bei uns: A7150! Auch erinnere ich mich an den ersten Mai-Umzug! Später haben wir dann Biermarken bekommen, damit wir auch zum Umzug gehen. Es sind alles Erinnerungen an eine Zeit, in der wir zwar nicht alles hatten, aber doch ziemlich glücklich waren. Um so länger man nachdenkt, um so mehr fällt einem wieder ein! Man sollte es öfters machen, es lohnt sich. Es war auf einer anderen Art und Weise auch eine sehr schöne Zeit! |
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damals Pionier / FDJler in Ludwigsfelde , Bezirk Potsdam - heute Paderborn, NRW
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20) Olaf (43) schrieb am 2.1.2003
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Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Was ich damit sagen will? Viele ehemalige DDRler haben sich vor nunmehr 13 Jahren blenden lassen. Hätten wir doch auch.... Könnten wir doch auch..... Im wesentlichen hat es uns doch zu Zeiten der DDR an nur wenigem gefehlt. Ich habe die Jahre meiner Kindheit in Marienberg und Karl-Marx-Stadt in guter Erinnerung. Und dazu gehören nicht nur geringe Mieten, Arbeit für die Eltern, Ferienlager, Kindergarten und was man sonst in diesem Zusammenhang noch alles gern nennt. Für mich gehört zur guten Erinnerung z.B. auch der tägliche Ablauf in der Schule. "Seid bereit - immer bereit", Fahnenappell usw. verteufeln heute manche als zu rote Erziehung. Dennoch würde ich mir ein solches, nicht zuletzt einheitliches, Schulsystem heute wieder wünschen. Die Erziehung zu Ordnung und Respekt war wesentlich besser. Und wir waren bei weitem nicht nur Engel in der Schule. Wenn ich mir bei meinen eigenen drei Kindern die Gewalt in der Schule anschaue, wenn ich täglich Angst haben muß, daß Drogen ins Spiel kommen, dann erinnere ich mich nur zu gerne an die eigene Schulzeit und im wahrsten Sinne des Wortes unbeschwerte Kindheit. Und ganz ehrlich gesagt, ich würde heute gerne auf manche sogenannte "Freiheit" verzichten. |
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damals Pionier / FDJler in Karl-Marx-Stadt - heute Esslingen, Baden-Württemberg
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