121) Maik (41) schrieb am 3.9.2003
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Großes Lob für dein Engagement, Dirk. Man sollte nie vergessen, wo und wie man (in der DDR) aufgewachsen ist und wie viele soziale Vergünstigungen man doch nutzen konnte, deren Fehlen heute oft wieder beklagt wird. Oder die vielgeschmähte DDR-Bürokratie - heute von der bundesdeutschen mit Riesenschritten überflügelt. Nur mal als Beispiel. Mit Verklärung hat das nichts zu tun, denn es gab ja wirklich nicht nur gute Zeiten. Doch ist das gegenwärtig etwa anders? Ich erinnere mich noch sehr gern an meine Aufenthalte in den Betriebs-Ferienlagern. Es war immer etwas los; es wurde nie langweilig. Und es war vor allem für die Eltern "saubillig" - im Vergleich zu heutigen Preisen. Einmal, etwa Mitte der Siebziger, verbrachten wir einige Wochen in einem tschechischen Ferienlager (Freundschaftsaustausch). Der stärkste Eindruck, den ich noch heute pflege, war eine lange Tageswanderung mit den Betreuern, wo wir irgendwann auf einer Wiese rasteten. Es wurde ein Lagerfeuer entfacht, einige organisierten einen Korb Kartoffeln vom nahen Acker (war wohl genehmigt) und diese rösteten wir über dem Feuer. Dazu aßen wir ganz zünftig Jagdwurst aus der Dose mit tschechischem grobem Senf - ein wahrer Genuß für uns alle unter freiem Himmelszelt! Oder die Ferienlager im Brandenburgischen: Jeden Nachmittag, den wir einige Kilometer außerhalb des Lagers zubrachten (Badesee), brachte uns der lagereigene himmelblaue "Barkas B 1000" pünktlich Kaffee und reichlich Kuchen, Getränke usw. vorbei - alles völlig kostenfrei für uns! Wie übrigens viele andere Veranstaltungen auch. Man darf mit gutem Recht behaupten, daß der Staat ganz schöne Summen für unsere Bildung, Erziehung und nicht zuletzt Freizeit zusteuerte, (die - so muß man natürlich auch feststellen - freilich dann irgendwo anders vielleicht wieder dringend fehlten, doch der Jugend wurde halt ein hoher Stellenwert eingeräumt). Jedenfalls wußten wir Kinder und Jugendlichen mit uns etwas anzufangen, wo vielfach heutigen Nachwachsenden Interesse oder eigener Antrieb fehlt. Ich sage nur: SERO-Sammlung, Arbeitsgemeinschaften, gemeinsame Arbeits- oder Säuberungseinsätze, die aber wirklich in der Gemeinschaft Freude machten, die wir nie als aufgezwungen empfanden. Freilich war das alles gezielt pionier- bzw. FDJ-gesteuert, doch störte uns das?? Wir hatten den Spaß - und nichts anderes zählte. Auch wir waren bestimmt keine braven Engelchen, doch Respekt vor den Erwachsenen (Lehrern, Eltern und Älteren) war allemal vorhanden. Ich jedenfalls denke gerne an die Zeit (Kindheit, Schule) zurück - lieber jedenfalls, als ich heute - gar nicht optimistisch - in meine eigene Zukunft schaue. Viel Erfolg, Dirk, und: Mach' weiter so!! |
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damals Pionier / FDJler in Suhl, Bezirk Suhl - heute Zella-Mehlis, Thüringen
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122) Sandra (27) schrieb am 3.9.2003
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Meine Kindheit war sehr vielseitig. Meine größte Herausforderung lag damals darin alle auszustechen die besser waren als ich. So schaffte ich es in den Schülerrat, ich sammelte Lobe und Auszeichnungen. Dieser Ehrgeiz wurde in der DDR sehr gefördert, doch sieh dir mal die Schulen heute an. Nix mehr mit Klassenkollektiv, nix mehr mit gegenseitigem helfen. Und das schärfste sind die Schulbücher(vor allem die 1.Klasse)das sind die reinsten Mal- und Spielbücher geworden! "Unser" Schulsystem war meines Erachtens das bessere. Kurz: Vieles wünsche ich mir zurück. Und wirklich gefehlt hat uns damals auch nichts. Nochmals vielen Dank und mach weiter so! Viele Grüße Sandra |
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damals Pionier in Delitzsch, Bezirk Leipzig - heute Ennigerloh, Nordrheinwestfalen
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123) Andrej (42) schrieb am 3.9.2003
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Ein wehmütiger Blick für einen der 1979 mit 17 Jahren seine Heimat verließ. Denen die meine Ausreise innerhalb 14 Stunden wünschten und durchzogen war das alles sehr "schnuppe" geworden. Als Sie mir sagten: "Wir legen Ihnen nahe einen Ausreiseantrag zu stellen"... sagte ich. So nah wollte ich Sie mir gar nicht kommen lassen.. Ich bin Jungpionier, Thälmannpionier und habe für die MMM die Lichtschranke für die DDR noch einmal erfunden. Was würde jetzt Teddy Thälmann sagen wenn er uns so sähe. Und drüben warten die "Zwanziger" auf mich mit den Webstühlen und wollen mich unterjochen. Der Stasi bemerkte "Lassen Sie die Polemik". Ich verließ also mit Gregor Gysi am nächsten Morgen die DDR in einer Staatslimousine über den Grenzausgang Marienborn. Und ich hatte meine Freunde und meine Heimat verloren. Die bekanntlich nicht nur aus Städten und Dörfern besteht. Seitdem lebe ich in Bremen im Exil. Andrej Bahro (Sohn von Rudolf Bahro) |
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damals Pionier / FDJler in Berlin-Prenzlauerberg, Hauptstadt der DDR - heute Bremen-Vegesack
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124) Sandy (26) schrieb am 15.9.2003
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Meine Erinnerungen sind die Schulzeiten, Altstoffe sammeln, Pioniernachmittage und die Bezirksmeisterschaften. Ich habe Federball gespielt. Man war ich stolz darauf, daß ich am 1. Mai mit dem Verein mitlaufen durfte und nicht mit der Schule mit mußte. Und wenn es hieß wir fahren zu Bezirksmeisterschaft ja das war schon was. |
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damals Pionier in Strausberg, Bezirk Frankfurt/Oder - heute Strausberg, Brandenburg
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125) Giso (24) schrieb am 15.9.2003
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Als ich Jungpionier wurde, stand ich sogar auf der Bühne und habe ein Zipfel der DDR-Fahne gehalten, mir war es ein bißchen unheimlich auf der Bühne zu stehen und die ganzen Eltern zu sehen. Jedenfalls war ich damals trotzdem echt stolz ein Jungpionier zu sein. ich wünschte ich hätte noch mein kleines Hemd und das blaue Halstuch, ich hoffe ich finde noch meinen Ausweis. ...Seid bereit, immer bereit! |
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damals Pionier in Schwerin, Bezirk Schwerin - heute Wien, Österreich
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126) Stefan (31) schrieb am 24.9.2003
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Vieles ist vergessen, das ganze politische blabla. An eine Begebenheit denke ich gerne zurück. Die Prüfung für das "Abzeichen für gutes Wissen" 1987 in der 9. Klasse. Geprüft wurde in Fünfergruppen (davon 2 Ausreisekandidaten) durch die Direktorin und die GOL-Sekretärin. Es kam die Frage an uns: "Warum wir mit unserer Arbeit den Frieden stärken?" Wir haben es geschafft den Zusammenhang zu widerlegen und die hohlen Parolen zu entzaubern. Die beiden leicht erröteten Damen waren sprachlos und haben gekocht. Das Abzeichen hat aus unserer Gruppe dann keiner erhalten (nicht mal in Bronze), auch wenn eins zwei Leute aus unserer Gruppe es gerne für ihre Laufbahn gehabt hätte. Darauf bin ich immer noch stolz! PS: Das Abzeichen vermisse ich bis heute nicht. ;-) |
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damals Pionier / FDJler in Görlitz, Bezirk Dresden - heute Emmendingen, Baden Württemberg
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127) Rico (32) schrieb am 26.9.2003
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Ich erinnere mich an viele Dinge, wohl aber die am stärksten gebliebenen sind: DTSB das war gut, viel Sport, viel Spaß wenig Geld bezahlen. Ferienlager, viel geboten (okay das Gerede über Sozialismus usw. hat schon genervt) gute Betreuung, ein Muß für Kinder. Modellbahn-AG, war mir wichtig. Altstoffsammlung zur Taschengeldaufbesserung. FCK Mein Fußballverein, war selbst darin aktiv. (Fußballclub Karl-Marx-Stadt) viele andere Dinge. |
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damals Pionier / FDJler in Karl-Marx-Stadt, Bezirk Karl-Marx-Stadt - heute Augsburg, Bayern
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128) Kati (30) schrieb am 29.9.2003
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Womit soll ich anfangen, bis wohin habt Ihr Lust alles mitzulesen... Eigentlich denke ich gern an die DDR zurück, die Schule.... Waren wir nicht als Kinder wesentlich mehr behütet durch Hort, Ferienspiele, Ferienlager, Mitgliederversammlungen an den Mittwochnachmittagen in der Schule, Patenbrigaden standen uns mehr oder weniger bei, gaben Buchauszeichnungen zu den Zeugnisausgaben, halfen bei Klassenfahrten....Damals (wie das klingt...) wurden uns die Zeugnissausgaben zu einer aufregenden wichtigen Sache zelebriert, mit Vertretern aus der Patenbrigade und wir gaben stolz Leistungsstände bekannt. Es wurden unsere SERO - Sammlungen gewürdigt, gab es Schulchor, viele AGs, die man freiwillig und als Freizeitbeschäftigung ansah. Das Sportangebot war genial, ich segelte in der HSG machte Trainingslager mit, segelte Regatten in Rostock, Stralsund... Und nicht zu vergessen Matheolympiade, MMM-Messe der Meister von Morgen, Talent-Wettstreit... nie hätten wir so mies bei einer PISA - Studie abgeschnitten wie es heutzutage ist. Vieles wie es heute ist, finde ich verlogen und halbherzig... Sozialstaat, daß ich nicht lache.... Kinder zu haben ( oder auch für die Zukunft des Landes Kinder in die Welt zu setzen) wird einem hier erschwert, als berufstätige Mutter wird man in diesem Land nicht wirklich unterstützt Kindergarten bis 12.30 Uhr, Schule bis 13.00 Uhr und danach. Ich bin Kinderkrankenschwester und kann zum Glück Nachtdienst arbeiten, aber auch Nachtdienst ist nicht gerade familienfreundlich, geschweige denn beziehungsfördernd.... Die Arroganz des jetzigen Deutschlandes aber verhindert soziale Stärken der DDR anzuerkennen oder wieder einzuführen. Schade, unsere Kinder hätten in der DDR aufwachsen sollen. Ich verlebte alle meine Ferien auf dem Faltboot paddelnder Weise mit Zelten und Lagerfeuer... hier und jetzt geht das nicht mehr- mehr Verbote als Freiheiten und mehr Bürokratie als gut tut. Kati |
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damals Pionier / FDJler in Greifswald, Bezirk Rostock - heute Springe, Niedersachsen
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129) Frank (50) schrieb am 3.10.2003
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Zunächst mal Kompliment deiner Idee. Ich kann mich bzgl. der Pionierorganisation eigentlich nur noch an viele angenehme Dinge erinnern. Die Pioniernachmittage waren immer ein Höhepunkt. Basteln, wandern, spielen auch eine Wandzeitung gestalten empfand ich immer als toll. An meine Zeit als FDJler habe ich dann weniger gute Erinnerungen. Als verschworener Fan der Beatles gab es oft Probleme bzgl. meines Äußeren. So mußte ich Ende der 60iger Jahre mal zum Friseur um mir die Haare kürzen zu lassen, weil die Haarlänge nicht in den Einklang mit dem Blauhemd zu bringen war. Lustig fand ich dann schon wieder, als ich mit 25 Jahren als junger Lehrer wieder in die FDJ eintreten mußte, weil an der Schule unbedingt eine FDJ-Lehrergruppe gebildet werden mußte. Diese Aktion fand ich so absurd, daß ich darüber nur lachen konnte... |
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damals Pionier / FDJler in Lehnin, Bezirk Potsdam - heute Wusterwitz, Brandenburg
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130) Ricarda (25) schrieb am 5.10.2003
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- habe alten Leuten über die Straße geholfen bzw. Sitzplatz im Bus angeboten
- habe Altstoffe gesammelt
- habe meinen Eltern und allen älteren Menschen Respekt entgegen gebracht
- war nachmittags mit Singen, Basteln oder Sport beschäftigt
unterm Strich auf jeden Fall alles andere gemacht als die Kiddis heute |
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damals Pionier in Stralsund, Bezirk Rostock - heute Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern
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131) Micha (26) schrieb am 13.10.2003
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Nur ums vorwegzunehmen: ich bin erst 91 nach Wien, als meine Eltern ihren job verloren haben und sich entschlossen hatten auszuwandern. doch was war vorher: ich habe 4 Geschwister, was mir natürlich ein paar (oder auch ein paar mehr) vorteile verschaffte: kostenlose Milch am morgen in der schule (das weiß wohl keiner mehr), mittags nix zahlen für das essen, daß ich früher nicht gemocht habe, und mich heute bedanken würde, nix bezahlen im Plänterwald, Museen, Kinos, Theater, Ferienlager... alles unbürokratisch. was mir aber am meisten fehlt, ist mein Optimismus, mein glaube an die Zukunft, mein glaube (auch wenn dieser falsch war) an mein mitbestimmungsrecht. damals wollte ich mich darauf vorbereiten, "alles für das wohl der DDR" zu tun und zu machen. heute bereite ich mich nur noch darauf vor, als letzter das licht auszumachen. wahrscheinlich war ich noch zu jung, um alles mit mehr abstand und objektiv zu sehen. heute weiß ich, daß uns allen zu wenig zeit gegeben wurde, um mit der Vergangenheit abzuschließen, um alles das, was wir (auch wenn ich zu jung war schließe ich mich da nicht aus) falsch gemacht haben, besser zu machen; UNSERE DDR BESSER ZU GESTALTEN, dem VOLK wirklich die macht zu geben. Am 9.11.89 brach für mich eine Welt zusammen! |
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damals Pionier / FDJler in Berlin-Hohenschönhausen, Hauptstadt der DDR - heute Wien, Österreich
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132) Medeline (22) schrieb am 24.10.2003
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Ich finde es schön, das auf Seiten wie diese über unsere "alte Heimat" gesprochen wird, und nicht nur über die negativen Sachen. Ich bin damals noch in die Grundschule gegangen und kann daher nicht sagen wie es war, wenn man studieren oder reisen wollte und wie schwer das war. Ich kann auch nicht über die Zwänge in der Gesellschaft oder Bespitzelung reden. Bestimmt war das für die "Erwachsenen" damals schlimm. Ich denke, daß man in verschiedenen Altersgruppen verschiedene Prioritäten hat. Als Kind will man spielen, Spaß haben, aufgehoben sein.... Meine Kindheit in der DDR war schön, ich möchte sie nicht missen und bin stolz darauf. Ich fand die Ferienlager und Treffen und AGs schön und habe mich da sehr wohl gefühlt, auch wenn man mal nicht so Lust hatte. Aber Kinder heute haben ja auch nicht immer auf alles Lust. Könnt ihr euch noch an die Patenbrigade erinnern? Wir waren immer sehr aufgeregt, wenn sie uns besucht haben. Ich selbst durfte einmal an einem Feiertag mit zu alten Leuten fahren und denen Geschenke bringen (warum und weshalb weiß ich leider nicht mehr), darauf war ich sehr stolz. Und ich wollte immer ein rotes Halstuch: aber die "Wende" kam dazwischen. Ich fühlte mich geborgen und aufgehoben und beschäftigt (sehr wichtig). Auch wenn ich nicht mit 10 einen eigenen Fernseher oder Cola hatte. Statt auf Markenklamotten zu achten, habe ich Zusammenhalt, Achtung und Respekt gelernt. (So ähnlich stand doch was auf dem Pionierausweis?) Ich fühle mich auch nicht stark politisch geprägt, ich denke was man uns in dem Alter beigebracht ist allgemeingültig. Ob im Schulbuch Paul oder Juri steht ist doch eigentlich egal, oder? Sicher gab es auch irgendwo Lehrer die viel krasser drauf waren, bei uns ist es nicht so gewesen. Ich vermisse die DDR so wie ich sie als Kind erlebt habe... Und mir tun die Kinder heute leid, ich finde sie verpassen viel.... |
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damals Pionier in Dresden, Bezirk Dresden - heute Dresden, Sachsen
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133) Leo (34) schrieb am 25.10.2003
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Überleben konnten wir gut, weil mein Vater einen Teil des Pfarrgartens in Gemüsebeete verwandelte und außerdem einige Obstbäume zur Ernte einluden. Die Schule besuchte ich in der Provinz, in der Stadt, wo mein Vater eine Pfarrstelle zugewiesen bekam. Irgendwo im Sachsenland. Der Schulablauf war zum Gähnen langweilig und voller militärischer Disziplinierungen. Als Sohn eines kirchlichen Würdenträgers war man selbstverständlich von allen "offiziellen" Veranstaltungen, letztendlich eigentlich aus dem Klassenkollektiv, ausgeschlossen. Man bekam von den gottlosen Lehrern deutlich zu spüren, als welchen Abschaum die einen einstufen. Es war voller Willkür. Die "Penne" zu besuchen war ausgeschlossen und den gewünschten Beruf zu erlernen utopisch. Mein Glück und das für meine Eltern war der Mauerfall, obwohl ich gerne gesehen hätte, wenn wir Ossis in unserem eigenen Land aufgeräumt hätten - dabei mit durchlässigen Grenzen aber doch irgendwie jenseits von einer de facto Annexion durch die BRD. Das Abitur holte ich nach der Wende in Berlin-Schöneberg nach und ich nutzte eine Gelegenheit, um auszuwandern. Ich habe dieses Land geliebt; es trägt einen festen Platz in meinem Herzen. Doch jenes, was inzwischen in Ostdeutschland passierte, stößt mich noch mehr ab, als Honecker und Mielke, dessen schwedische Gardinen ich auch von der anderen Seite beschnuppern durfte. Der Abschied fiel mir nicht leicht, doch andere Länder sind auch interessant, genauso andere Sprachen. Warum also vor Ort in der Erinnerung verharren und das Taschentuch mit nostalgisch verfärbten Tränen netzen, wenn die Welt einem zu Füssen liegt? |
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damals in Berlin, Hauptstadt der DDR - heute Schweiz
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134) Sandy (23) schrieb am 27.10.2003
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Ich habe diesen link von meiner Schwester bekommen, und finde diese Seite einfach klasse. Ich kann mich noch an fiele Dinge erinnern, denn damals war ich ein stolzer Jungpionier. Wir sind damals leider gleich nach der Wende in die USA ausgewandert. Obwohl ich jetzt in den USA wohne kann ich meine Kindheit nie vergessen, denn es war eine schöne Zeit. Ich kann mich noch erinnern an die Lieder (und kenne sogar noch einige Texte auswendig), und an den 1. Mai wo wir mit roten Nelken marschiert sind, und am liebsten an die Ferienlager jeden Sommer. Also manchmal wünschte ich mir die Ordnung von dem östlichen Schulsystem würde hier auch in der USA existieren. Wenn meine Tochter etwas älter ist werde ich Ihr garantiert alle meine Geschichten und Erinnerungen erzählen, denn für Kinder war es damals eine schöne Zeit. |
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damals Pionier in Gelenau, Bezirk Karl-Marx-Stadt - heute Garden Grove, Kalifornien, USA
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135) Marc (32) schrieb am 27.10.2003
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Ich denke gern an meine Kindheit in der DDR zurück, an die Geborgenheit und Fürsorge. Wir haben zwar begehrlich auf andere Kinder gesehen, die von der Westverwandtschaft mit Matchbox-Autos und echten Levi's-Jeans versorgt wurden aber deshalb hat es uns doch an nichts gefehlt. Wir wurden zur Achtung von allen Mitmenschen, besonders den älteren und uns selbst gegenüber erzogen. Was nicht gut war, waren die hohlen Phrasen, mit denen wir gefüttert wurden und die Angst vor der Stasi, die meine Eltern immer veranlaßte, mich des Raumes zu verweisen, wenn über die Zustände geschimpft wurde. Man könnte ja in der Schule etwas erzählen. Es gibt gute Gründe für den Untergang der DDR (z. B. die Unfähigkeit, unsere Wirtschaft ökonomisch zu gestalten) aber ich werde auch immer daran denken, daß meine Eltern ohne Angst um ihren Arbeitsplatz ihrer Tätigkeit nachgehen konnten. Ich selbst bin im Augenblick glücklicher Besitzer eines Arbeitsplatzes, doch für wie lange? |
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damals Pionier / FDJler in Oranienbaum, Bezirk Halle - heute Oranienbaum, Sachsen-Anhalt
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136) Patricia (26) schrieb am 29.10.2003
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Hallo Dirk, deine Seite ist echt Klasse. Ich studiere derzeit in Österreich Jugend- und Freizeitpädagogik und darf nun als DDR-Kind natürlich gleich ein Referat zum Thema halten und glücklicherweise wird mir deine Seite dabei sehr helfen. Ich war ja erst 13 Jahre alt, als die Wende kam und so habe ich die schlechten Seiten der DDR (insbesondere die Diktatur) nicht so mitbekommen. Ich bin in einem äußerst kontra parteilichen Hause aufgewachsen, dennoch möchte ich die Pionierzeit nicht missen und muß mich immer arg zurückhalten, wenn Vergleiche mit der Hitlerjugend angestellt werden. Gut, die Uniformen und die Aufmärsche vorm ZK der SED lassen oberflächlich gewisse Parallelen ziehen, die Ideologie und Ideale jedoch waren völlig andere. Das einzige was mir unangenehm in Erinnerung ist, ist die Tatsache, daß wenig Wert auf individuelle Freiheit und Entwicklung gelegt wurde. Es war doch alles Recht standardisiert. |
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damals Pionier in Staßfurt, Bezirk Magdeburg - heute Halle, Sachsen-Anhalt
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137) Stefan (61) schrieb am 3.11.2003
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Meine Mutter hatte schon alle Vorbereitungen getroffen für unsere "Auswanderung" nach Kanada in den Herbstferien 1955. Ich war 13 Jahre alt. Eine Woche vor den Ferien wurde ich auserlesen eine vorgeschriebene Rede zum Fahnenhissen auf dem Postplatz zu lesen. Ich habe die vorgeschriebenen Worte zwar gelesen aber innerlich gedacht das ist mir ja Alles egal da ich nächste Woche dem Sozialismus Auf Wiedersehen sage. |
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damals Pionier in Dresden, Bezirk Dresden - heute nahe Toronto, Kanada
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138) Doreen (23) schrieb am 13.11.2003
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Ich erinnere mich immer gerne an meine Kindheit in der DDR zurück... und stelle fest, daß mir hin und wieder doch noch einige Sachen wieder einfallen, die ich schon ganz vergessen hatte. Den Geruch von leeren Milchflaschen, die man, wenn man Flaschendienst hatte, in der Großen Pause ausspülen und saubermachen mußte, die gemeinsamen Pioniernachmittage... Wandertage .. Ausflüge zur Patenbrigade ... wie man sportlich immer gefördert wurde... wenn im Sportunterricht hin und wieder mal ein fremder Mann oder eine fremde Frau von irgendeinem Sportverein saß und sich uns Kinder beim Sport ansahen ... und ob sie uns in ihrem Sportverein unterbringen .. ich hab damals Leichtathletik und Geräteturnen gemacht... und durfte dienstags und donnerstags immer eher vom Hort weg, weil ich Training hatte ... natürlich nur, wenn die Hausaufgaben ordentlich erledigt waren:o) der hort war auch toll... da haben wir nachmittags gebastelt (im Winter meist Strohsterne) oder Rätsel gelöst ... manchmal waren wir auch schwimmen und mußten diese ekeligen Gummibadekappen aufsetzen, die so fürchterlich an den Haaren geziept haben ... ach ja .. denke sehr gerne an damals zurück, grade an die Schulzeit und vermisse das alles auch ein wenig ... ich war bis 2001 meinem Halle treu geblieben, aber nun hat es mich doch in den Norden gezogen ... aber ich komm regelmäßig wieder nach Hause in mein Halle... |
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damals Pionier in Halle, Bezirk Halle - heute Oldenburg
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139) Dennis (25) schrieb am 20.11.2003
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... ich war bis zur Auflösung der Organisation Mitglied. Einige sind ausgetreten, aber ich nicht. Ich habe gute Erinnerungen an die damalige zeit. Mir hat das leben bei den Pionieren spaß gemacht. Vor allem die Idee mit dem Kuchenbasar fand ich gut. Ich glaub, den gab's 2 mal im Jahr oder so. |
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damals Pionier in Miltitz, Bezirk Leipzig - heute Leipzig, Sachsen
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140) Derek (32) schrieb am 21.11.2003
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Da ich meine komplette Kindheit und den Großteil meiner Jugend in der DDR verbrachte, sind meine Erinnerungen und Erlebnisse so umfassend, daß es schwierig ist, ein ganz besonderes herauszupicken. Während meiner Zeit bei den Pionieren war ich engagiert und bis auf ein Schuljahr immer in irgendwelchen Funktionen. Häufig Wandzeitungsredakteur und Agitator, auch einmal beides gleichzeitig. Lehrer konnte man damals noch zur Verzweifelung mit Fragen wie "Wäre W.I. Lenin adelig gewesen, wenn es zu einer Heirat zwischen Ihm und der Tochter des Zaren gekommen wäre?" treiben und Pioniernachmittage beschäftigten sich mit Nicaragua, den Sandinisten, dem nächsten Kuchenbasar in der Schule oder wie wir uns einbringen können, um unser Land zu verschönern und zu stärken. Noch heute denke ich gern an die Pfingsttreffen, den 1.Mai oder die Ferienlager zurück. Am ersten Mai öffnete immer der Wehrstädter See. So konnte man nach der Demo ne Runde Ruderboot fahren oder sich sonnen... Das etwas verklärte Bild ergibt sich zum Teil aus der Tatsache, daß man sich als erwachsener Mensch immer gern an seine Kindheit erinnert und gern an das warme wohlige Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit zurückdenkt. Unabhängig welche politische Plattform diese Kindheit einrahmte. Am meisten betrübt mich der Verfall meiner alten Heimat. Bei jedem Besuch zu Hause sehe ich wie meine Heimatstadt ein bißchen mehr stirbt. |
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damals Pionier / FDJler in HBS, Bezirk Magdeburg - heute RÜD, Hessen
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