141) Kerstin (25) schrieb am 25.11.2003
|
Hallo, die Seite ist echt toll. Bin sehr gerührt, weil Erinnerungen hochkommen. Ich habe meine Kindheit in der DDR verbracht und von meinem bisherigen Leben war es die schönste Zeit. Auch wenn meine Eltern immer arbeiten waren und ich im Hort war, auch im Ferienhort, außer Oma und Opa sind in den Ferien mit mir nach Stollberg gefahren. Das größte war aber meine Fahrt mit meinem Eltern und meinem Bruder, der Jugendweihe hatte, in die Sowjetunion. Dort waren wir 2 Wochen, in verschiedenen Städten. Wir waren dort wirklich herzlich willkommen und wir Kinder wurden umsorgt, beschenkt und gemocht. Ich hab als Kind natürlich nix von den GUTEN und SCHLECHTEN Seiten der DDR gewußt und ich hatte auch nie den Wunsch, etwas anderes zu haben (außer vielleicht mal Westpakete wie unsere Nachbarn...). Apropos, da erinnere ich mich, wie wir immer das Papier der Schokolade aus Westdeutschland aufgehoben haben. (Meine Mama konnte nämlich zu Weihnachten manchmal im Intershop einkaufen, weil sie durch Beziehungen auf Arbeit manchmal Ostgeld zu Westgeld machen konnte. 10 Ostmark zu 1 Westmark!). Wir haben das Papier regelrecht mit den Fingern glatt gebügelt und aufgepaßt, daß ja nix kaputt geht. Damals haben wir solche Sachen noch wirklich geschätzt. Zu Weihnachten gab es entweder für mich und meinen Bruder je ein Überraschungs-Ei oder zusammen eine Tafel Kinderschokolade. Der Rest des Weihnachtstellers bestand aus Ost-Schokolade (die damals noch viel besser geschmeckt hat) und jeder 2 Apfelsinen. Mir fallen noch viele Sachen ein, aber ich muß für heute aufhören. Bald schreib ich noch mal was rein. Bis dann |
|
damals Pionier in Taucha, Bezirk Leipzig - heute Berlin
|
142) Dieter (51) schrieb am 25.11.2003
|
In Jena wurde ich Junger Pionier und habe viele Wanderungen in die Kernberge, Jenzig oder zum Fuchsturm gemacht und so die Natur kennen gelernt. In der FDJ war ich im Touristenlager, habe in einer Singegruppe und in einem Fotoclub mitgearbeitet und wurde an die Drushba-Trasse sowie Erdgastrasse delegiert. Ich habe gute Erinnerungen an diese Zeit. Es gab keinen Zwang! und auch keinen sozialistischen Drill ! Die FDJ hat mich außerdem auch mit geformt. Die heutige Jugend hat keine Perspektiven und keine vernünftigen Freizeitangebote! Schade. |
|
damals Pionier / FDJler in Jena, Bezirk Jena - heute bei Cottbus
|
143) Yvonne (27) schrieb am 25.12.2003
|
Hallo! Ich bin 1976 in der DDR geboren und habe eigentlich nur schöne Erinnerungen an meine Schulzeit. Ich war Jungpionier und würde später auch zum Thälmannpionier. Ich habe die Schulaktivitäten genossen. Wir machten Besuche bei alten Leuten und sammelten Altstoffe(Papier und Flaschen)die wir dann bei der Altstoffsammlung für ein wenig Geld abgaben. Und immer wenn wir das gesammelte Geld in der Klassenkasse abgegeben hatten, bekamen wir einen Bienenstempel in unser Sammelheft. Wenn das Sammelheft voll mit Stempeln war hatten wir zur Belohnung entweder eine Gute Note bekommen oder ein kleines Präsent (was Nützliches für die Schule wie z.B. ein neues Heft oder einen neuen Füller).Ich denke gerne an die Zeit zurück. Bei unseren Ausflügen mit der Klasse hatten wir viel Spaß, wir sangen Lieder, machten Gruselwanderungen und brieten uns Kartoffeln und Äpfel am offenen Lagerfeuer. Was mir auch sehr gut gefiel, war das jährliche Kartoffelsammeln wo wir den tag auf einem Kartoffelfeld verbrachten und die Kartoffeln ernteten(dafür bekamen wir unterrichtsfrei)und zum Abschluß durfte sich jeder einen Eimer mit Kartoffeln nach hause nehmen und wir machten ein Abschlußlagerfeuer mit gebratenen Kartoffeln. Leider gibt es solche Erlebnisse nicht mehr in den Schulen. Hier regieren nur Gewalt und kein Respekt vor den Lehrern. Leider hat sich mit der Grenzöffnung vieles was negativ ist weiter ausgebildet. Aber die Schulaufführungen(wie zum Beispiel die Weihnachtsfeiern - wo jeder sich eine Figur in einem Theaterstück aussuchen konnte und dies dann aufgeführt wurde)waren echt schön und friedlich, da konnte man sagen daß die Kindheit schön war. Zum Abschluß möchte ich noch sagen, das man aus der Vergangenheit nur lernen kann und die Fehler die wir machten - nicht an unsere Kinder weiterzugeben. Danke |
|
damals Pionier in Annaberg-Buchholz, Bezirk Karl-Marx-Stadt - heute Offenbach am Main, Hessen
|
144) Sven (31) schrieb am 26.12.2003
|
Ich fand deine Seite auf der Suche nach "was ist denn heut bei Findigs los?". Schade, daß ich diese Seite erst jetzt finde! Das Durchlesen der Berichte und Kommentare der anderen Besucher ist ein Ausflug in die eigene Geschichte! Mein Abitur machte ich 1990. Das letzte DDR-Abi. An den Sonnabenden direkt nach der Maueröffnung war manchmal nur die Hälfte der Schüler in den Klassen. Die anderen waren meist in Berlin(West) um Besuchergeld zu empfangen und einzukaufen. Glücklich, wer außer dem Ausweis noch einen Reisepaß besaß - da konnte er 2 mal die Kohle abfassen. Ich kann mich auch noch gut an die Altstoffsammlungen an der POS erinnern. Komischerweise war meist die Klasse die Beste, die auch für die jeweilige Sammlung die Verantwortung trug, bei uns wurden immer ein paar Kilo Papier und einige Flaschen der anderen Klassen auf unser eigenes Klassenkonto gebucht. Pionier war ich gern. Die Bluse und das Halstuch machten uns irgendwie zu besonderen Menschen. Bei der FDJ störte mich nur die versuchte Gleichmacherei - wer nicht rein wollte, der war ein Außenseiter. Auf Glaubensgründe wurde (zumindest an meiner Schule) wenig Rücksicht genommen. Im Staatsbürgerkunde-Unterricht erinnere ich mich noch an eine Episode: das war, als E. Honecker in seiner Heimat im Saarland zu Besuch war. Wir sollten dann in einem kleinen Aufsatz, der nicht zensiert werden sollte, unsere Erwartungen an diesen Besuch niederschreiben. Einer schrieb, er hoffe, daß es jetzt mehr Südfrüchte zu kaufen gäbe - prompt wurde sein Aufsatz mit einer 4 bewertet. Nur weil er nicht schrieb, daß der Frieden in der Welt gesicherter wäre oder ähnliches. Die Lehrerin war auch gleichzeitig unsere Direktorin. Auch erinnere ich mich, als einer der sowjetischen Staatschefs starb mußten wir uns sofort zu einer Schweige- und Gedenkminute erheben. Das war doch nur fürs Protokoll. Wir hatten sicher andere Sorgen als die Trauer um Andropow und Co. Ins Ferienlager fuhr ich mit meiner Schwester nur einmal. Wie hatten beide nie Bock darauf. Heute verstehe ich meine Eltern - die wollten auch mal 2 Wochen ungestört bleiben ;-) Ich schau sicherlich bald mal wieder rein und schreib was vom Lager für Erholung und Arbeit in Peickwitz am Senftenberger See und in Targovischte in Bulgarien. |
|
damals Pionier / FDJler in Senftenberg, Bezirk Cottbus - heute Senftenberg, Brandenburg
|
145) Veronika (32) schrieb am 18.12.2003
|
Hallo, ich erinnere mich gerne an meine Kindheit und Jugend zurück, das war halt unsere Jugend. Am schönsten fand ich es immer, wenn wir in den Palast der Republik durften und dort verweilten. Dann die Besuche und Aktivitäten im Pionierpalast in der Wulheide. Um so mehr tut es mir weh, wenn genau dieser Palast der Republik abgerissen wird! Es ist ein Stück Heimat, Leben und Kindheit, die mit vernichtet wird, aber was zählen Gefühle heute noch?! Ich finde es schön, daß es solche Internetseiten gibt, wie diese, man kann wunderbar in seinen Erinnerungen versinken. Speziell bin ich auf diese Seite gekommen, weil ich mich an ein Kinderlied erinnerte, Kam ein kleiner Teddybär. Ich habe jetzt selbst einen kleinen Jungen, 2 Jahre, dem möchte ich das Lied nicht vorenthalten. Ich finde es Toll, macht weiter so. Gruß Vroni |
|
damals Pionier / FDJler in Berlin/Karlshorst, Hauptstadt der DDR - heute Northeim, Niedersachsen
|
146) Linda (25) schrieb am 22.12.2003
|
Zuerst danke ich mal für diese wunderschöne Seite. Eine tolle Sammlung! Auch ich möchte eine kleine Geschichte hinzufügen. Anläßlich des 40sten Geburtstages der DDR mußte jede Klasse unserer Schule 40 gute Taten sammeln. Diese Sammlung zu der jede Pioniergruppe ein Kästchen beisteuerte wurde in einer Zeitkapsel versiegelt und irgendwo in der nähe der Schule vergraben. Nur ausgesuchte Schüler durften daran teilnehmen. Im Jahre 2000 sollte im Rahmen einer Feierlichkeit die Truhe wieder ausgegraben werden. Ich vermute ganz stark daß dieser Schatz noch immer vor sich hinmodernd irgendwo im schönen Berlin Marzahn liegt. Schade eigentlich wir hatten uns solch eine Mühe gegeben. Ahoi die Linda |
|
damals Pionier in Berlin Marzahn, Hauptstadt der DDR - heute Berlin Lichtenberg
|
147) Sandro (28) schrieb am 28.12.2003
|
Hallo, ich kann mich nicht an eine Kopfnote "Gesamtverhalten Erinnern", finde sie auch in meinen Zeugnissen nicht wieder. Zum Thema Pionierauftrag: bei uns gab es zu den Verpflichtungen die die Klasse als Gesamtheit einging auch noch eine persönliche Verpflichtung. Der bei mir zumeist in der Steigerung des Solibeitrages und der Gesammelten SERO-Sachen lag. Nichts desto trotz gab es aber auch Verpflichtungen sich z.B. in Bio von 3 auf 2 zu verbessern. Unvergeßlich auch die Karteikarten auf denen man seine erhaltenen Noten mitschrieb um jederzeit die Durchschnittsnote im Fach parat zu haben. Wissen was einen erwartet war die Devise. Diese Karteikarten wurde spätestens 3 Wochen vor den Terminen an denen die Noten fest stehen mußten nach jeder Schulstunde verglichen. Heutzutage stehen die Noten aufgrund des Datenschutzes ja nicht mehr in Klassenbuch. Interessant auch die Tage der Maueröffnung, jedesmal wenn einer fehlte fragte man sich ob der oder diejenige wohl wiederkommen würden, da die Klassen sich zunehmend lichteten. Die meisten nutzten aber diese Zeit um sich für ein paar Tage selbst bei ihren Westverwandten einzuladen. Und damals gab es bei uns wiederholte Bombendrohungen in der Schule, etwas das wir vorher nicht kannten. Ach, man könnte Bücher drüber schreiben, wenn's im großen und ganzen nicht so schlecht gewesen wäre. |
|
damals Pionier / FDJler in Wismar, Bezirk Rostock - heute Werther, NRW
|
148) Steffi (25) schrieb am 7.1.2004
|
Hallo Dirk, deine Seite ist echt schön. ich erinnere mich so gern an die Pionierzeit zurück. Zum Beispiel weiß ich noch, daß wir es nicht mochten, am Montag zur Pionierversammlung auf dem Schulhof das Halstuch umzubinden. wir kamen uns richtig aufmüpfig vor, daß wir es erst kurz vorher umbanden. damals hielten wir uns für sehr mutig. schade, daß die Kinder heute keinen Respekt mehr haben. Leider bin ich nicht mehr in die FDJ gekommen. es hat uns immer sehr großen Spaß gemacht, heimlich eine faust zu machen und leise FREUNDSCHAFT mitzurufen. die Pioniernachmittage am Mittwoch habe ich immer sehr genossen. einmal haben wir Teetrinken aus einem echten russischen Samowar gemacht. das war was total schönes. da hat man sich gefreut. Leider ist heutzutage auch sonstige Freude an kleinen dingen des Lebens verflogen. die Kinder können die dinge nicht mehr schätzen und haben vor allem keinen Respekt vor den erwachsenen und älteren. ich habe als Jungpionier sofort Respekt gehabt, wenn ein Thälmannpionier mit mir sprach. na ja, ich fand das Pionierleben sehr schön. Es ist schade, daß sich die Lehrer nicht mehr für die Schüler der heutigen zeit interessieren. so ist das eben.. im westen ist eben nicht alles gut. Bis bald Steffi |
|
damals Pionier in Berlin Hohenschönhausen, Hauptstadt der DDR - heute Berlin Friedrichshain
|
149) Anja (27) schrieb am 8.1.2004
|
Ich denke gern an meine Kindheit in der DDR zurück. Das schönste war unser Pionierpark in der Wuhlheide mit der Pioniereisenbahn und dem Pionierpalast, wo es ein tolles Kosmonauten-Trainingszentrum gab und wo ich mit dem Pionierchor oft aufgetreten bin. Wir haben natürlich die ganzen Pionierlieder gesungen, von denen ich einige hier wiedergefunden habe (leider nicht "Mein Teddy ist auf einer großen Reise" und "Thälmanns Enkel"). Ich war auch in Polen im Ferienlager zusammen mit polnischen Pionieren, das war auch toll. Abends am Lagerfeuer sitzen und singen. Überhaupt hat man als Pionier immer was erlebt. In der FDJ war ich ja dann leider nur noch kurz. Schade, daß mein Bruder 7 Jahre jünger ist als ich und das alles nicht mehr erlebt hat. |
|
damals Pionier / FDJler in Berlin, Hauptstadt der DDR - heute Stuttgart, Baden-Württemberg
|
150) Jens (39) schrieb am 21.1.2004
|
In unserem Neubaublock lebte ein uralter Kommunist. Er wurde oft zu Pionierversammlungen eingeladen, die wir furchtbar langweilig fanden. Um ihn zu ärgern haben wir dann manchmal bei ihm geklingelt und uns sofort 'aus dem Staub gemacht'. Wir wußten, daß er zu langsam war um uns zu kriegen. Heute tut's mir leid. Alles in allem ne schöne Zeit... |
|
damals Pionier / FDJler in Halle-Neustadt, Bezirk Halle - heute Halle, Sachsen-Anhalt
|
151) Ralf (46) schrieb am 24.1.2004
|
Durch Zufall entdeckte ich diese wunderbare Seite. Ich hatte damals eine schöne Kindheit. Ich erinnere mich gern an die Pioniergeburtstagsfeiern in der Unterstufe. Der gesamte Schulteil wurde in einen "Freizeitpark" verwandelt. Film, Märchen, - Bastel- und Spielräume waren liebevoll gestaltet. Alle Kinder hatten wirklich einen schönen Tag. Die Lehrerinnen und Horterzieherinnen gaben sich viel Mühe. Wir Kinder hatten großen Spaß. Im "Schulteil" der Webseite hat sich meiner Meinung nach ein Fehler eingeschlichen. Für Abgänger der 8. Klasse gab es auch Facharbeiterabschlüsse. In meiner Klasse bspw. verließen drei Schüler diese Jahrgangsstufe und erlernten Facharbeiterberufe bei längerer Berufsausbildung. Das war allgemein so üblich. Vergleicht man die Schultypen heute mit unserem damaligen Schulniveau, läßt sich folg. feststellen:
POS- Realschule
POS/ Abg. Kl.8- Hauptschule
EOS- Gymnasium
Die Allgemeinbildung war damals ebenfalls viel höher. Ich arbeite beruflich mit Kindern und Jugendlichen, da muß ich das immer wieder feststellen. Leider! |
|
damals Pionier / FDJler in Guben, Bezirk Cottbus - heute Rosenheim, Bayern
|
152) Jürgen (35) schrieb am 24.1.2004
|
Hallo Dirk! Klasse Websites mit vielen nostalgischen Erinnerungen die wirklich von Leuten kommen, die es selber erlebt haben - im Gegensatz zu diesen "Ostalgie-Show's" - und die zumeist den AHA-Effekt bei einem auslösen. Auch ich war Jungpionier, Thälmannpionier und FDJler wie die meisten wohl und es war alles im allem eine schöne Zeit, die aus heutiger Perspektive manch Anlaß zum schmunzeln gibt. Eine Anekdote haftet mir besonders im Gedächtnis: Im Statut der Thälmannpioniere standen die Gebote und eines davon besagte: Wir Thälmannpioniere helfen älteren und kranken Menschen und leisten wo immer es geht Timurhilfe. Also nahm ich es wörtlich und fragte höflichst - zumeist ältere Damen - ob ich ihnen nicht vielleicht über die Strasse helfen sollte? Auch das Einkaufsnetz trug ich ihnen gern nach Hause oder holte auch schon mal die Kohlen aus dem Keller!! Freilich hielt dieser Zustand nur kurz (etwa 1-2 Wochen) an - und dennoch hatte ich etwas zum vorweisen meiner Pionierleiterin. So hoffte ich für die kurze Dauer mein eher schlechtes Verhalten (Betragen) kompensieren zu können. Im diesen Sinne: Seid bereit? |
|
damals Pionier / FDJler in Bautzen, Bezirk Dresden - heute Haigerloch, Baden-Württemberg
|
153) Michaela (26) schrieb am 28.1.2004
|
Hab gerade die Pionierlieder durchgesehen und hatte einen richtig fetten Kloß im Hals. Ich war damals im Schulchor. Heute bin ich erstaunt, wie viele Texte und Melodien ich schon vergessen habe. Der kleine Trompeter war eines meiner Lieblingslieder. Hätte mir gerne den Text ausgedruckt. Schade! Rückblickend war es die schönste Zeit meines Lebens! Man hatte, trotz großer familiärer Probleme, immer einen Halt. Langeweile? Gab es nicht. Wir hatten Pioniernachmittage, waren Altstoffe sammeln, haben Wandertage gehabt, waren in AGs, im Chor, im Gitarrenunterricht. Wenn man heute seinem Kind diese ganzen Aktivitäten bieten wollte, würde man arm werden! Ich bin daher sehr dankbar für meine Kindheit in der DDR und für diese Homepage! Danke! |
|
damals Pionier in Tabarz, Kreis Gotha, Bezirk Erfurt - heute Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg
|
154) Jan (49) schrieb am 13.2.2004
|
Die 6 Jahre, die ich in Leipzig von 1963-1969 an der damaligen 43. Oberschule verbracht habe, haben mich zutiefst geprägt. Für ein ausländisches Kind ist es nie leicht sich in eine neue Umgebung einzugliedern, die Sprache zu erlernen usw. Auch mußte ich mich durch manche Vorurteile wortwörtlich durchboxen. Aber ich habe es geschafft, ich habe Freundschaft, erste Liebe, Kinderspaß, Freude und Leid den durch die Grenze gesiebten neuen Wind der sechziger Jahre in der DDR erlebt. Ich war begeisterter Pionier, nahm am Solistentreffen der DDR in Schwedt teil, spielte im Pioniertheater, wurde FDJler und, und, und. Es war, und ist mir im Nachhinein ein immer wiederkehrender Schmerz zu verstehen wie sehr viele Leute unter der Unfreiheit und der Willkür des Polizeistaates litten. Damals wußte ich nichts von alledem. Für uns Kinder schlichen sich nur manchmal kleine Wolken vor den ideologisch blaugeputzten Himmel. Ich z.B. wurde einmal für ein lächerliches Vergehen vom übereifrigen stellvertr. Direktor unserer Schule als gemeinschaftsfeindlich vor meiner ganzen Klasse angeprangert. Dies war um so beschämend und schmerzhaft, da ich! wahrhaftig an die moralische Reinheit des DDR Sozialismus zutiefst glaubte, und an dieser Reinheit teil haben wollte. Und trotzdem Lieben, Leben und Freundschaft habe ich dort in diesen Jahren wirklich kennengelernt, und obwohl ich Parteibonzen und Machthaber dieses ehemals gewesenen Regimes verachte, verstehe ich ganz genau was ihr mit Geborgenheit meint, wenn ihr an diese Zeit zurückdenkt, und auch mir ist, wenn ich an meine DDR Heimat denke - um es mit Heine zu formulieren - "als ob das Herz recht angenehm verblute..." Tschüß und Immer Bereit! |
|
damals Pionier / FDJler in Leipzig, Bezirk Leipzig - heute Budapest / Ungarn
|
155) Ina (24) schrieb am 24.2.2004
|
Ich erinnere mich eigentlich sehr gerne an meine Kindheit und Pionierzeit in der DDR. Sicher gab es entsprechend der heutigen scharfen Kritik einige Dinge, welche zu Recht einen Schatten über die Organisation werfen, so denke ich zum Beispiel an harte, öffentliche, nicht enden wollende, tiefenpsychologisch wirkende Bestrafungen, bei Leistungsmangel und Verstößen gegen bestehende Ordnungen der Schule. An unserer Schule geschah dies, je nach Art des Vergehens zuerst vor versammelter Klasse, dann vor versammeltem Lehrkörper, dann vor dem Elternrat, mit entsprechenden Statements gegenüber den Eltern des Rabauken und dann vor versammelter Schule, auf dem Fahnenappell, wobei der Schüler vortreten mußte, damit auch der letzte sah, wer sich Schuldig gemacht hat. Auf der anderen Seite, galt dies auch für Belobigungen, Auszeichnungen etc. Ich, als damaliger Vorzeigepionier, konnte oft den Beifall meiner kleinen Genossen ernten, ohne jedoch irgendwelche politischen Zweckmäßigkeiten zu erkennen, und ich glaube daß die Rolle Pionierorganisation als "Rotlichtbehandlung" der Schüler überbewertet wird (Die Altersgruppe der FDJler war sicher eher betroffen und auch mit einer höheren Auffassungsgabe bezüglich des gesamten Systems versehen). Pioniere lernten diszipliniert aber auch spielerisch, mit wahnsinniger Unterstützung durch die Schule, und mit viel Spaß in Form von gemeinsamen Aktionen. Ich war zu meiner Zeit fast alle Jahre Pionierrats- oder Gruppenratsvorsitzende, und habe somit an der Organisation vieler schöner Nachmittage, Wandertage, Solidaritätsaktionen, SERO, Aktionen, etc mitgewirkt, so haben wir damals einen Wandertag genutzt, um uns zu Fuß! in ein Wäldchen begaben, dort eine große Tüte mit selbstgeschriebenen Zettel, welche unsere Eigenschaften, Wünsche und Träume beinhalteten, einzugraben, um diese später zu befreien und zu schauen, was aus uns geworden ist, zur Auswertung kam es leider, aufgrund der Wende und der darauffolgenden Zersplitterung der Klasse in Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten, nicht mehr. Eine andere Aktion war der Katja-Niederkirchner-Gedenklauf (Katja Niederkirchner gab unserer Schule den Namen, jeder Schüler kannte sie und ihr Werk in- und auswendig) unserer Schule, hierfür wanderten wir ca. 13 Kilometer in ein Pionierlager, quartierten uns dort ein, und waren den ganzen darauffolgenden Tag mit sportlichen Aktivitäten im Rahmen eines Langstreckenlaufes durch die reichhaltige Botanik , ähnlich einer Schnitzeljagd, beschäftigt. Abends gab es eine Siegerehrung, und Lagerfeuer und Pionierlieder und viel Spaß. Regelmäßig wurden Altstoffe in der Nachbarschaft gesammelt, hierfür zogen kleine Gruppen von Pionieren mit Handwagen los, klingelten bei allen Nachbarn in ihrem Kietz und sammelten deren Altstoffe z.B. Zeitungen und brachten diese zur SERO-Sammelstelle, wo sie sozusagen Pfandgeld bekamen, welches für gute Zwecke ausgegeben wurde. Zu Weihnachten zum Beispiel wurden regelmäßig Spielzeugpakete gepackt, für "arme" Kinder, für Kinderheime, und wenn möglich auch selbst dort abgeliefert. An Feiertagen, wie der 1. Mai, wurde im Vorfeld gebastelt, zum Beispiel bunte Stöckchen mit Friedestauben, Plakate mit unserem Honnie, etc. und damit ging es dann am besagten Tag zu einer bestimmten Sammelstelle, dort wurde fein in Reihen Aufstellung genommen, natürlich alles in Uniform, und dann wurde mit Kapelle und Spielmannszug marschiert, es waren eigentlich fast alle Bewohner unseres Örtchens in diesem Marsch zu finden, fein geordnet nach Betrieben, Vereinen, Schulen, Kampfgruppe, etc. Ich könnte fortfahren mit Fackelzügen, Belohnungsreisen zu Pionierevents, Ferienlagern Kindertagsfesten, ... Leider wurde der Alltag mitunter auch von streng militärischen Zügen begleitet, so verlief unsere Hofpause nach strengen Reglements ab, Wir mußten auf jeden Fall das Schulhaus verlassen, wir durften nicht toben, wir hatten uns mit dem Vorklingeln an, auf dem Appellplatz, speziell markierten Sammelpunkten für jede Klasse in Reih und Glied einzufinden und wirklich in Reih und Glied. danach wurde nach einem bestimmten Laufplan (immer an der Wand entlang) Klasse für Klasse das Schulhaus betreten, und wehe man nahm im Winter bei betreten des Hauses nicht die Mütze ab! Überwacht wurde das Ganze durch Schüler der 10. Klasse und die Aufsichtslehrer, bei Verstößen, wurde man grob aus der Reihe gezogen und vorgeführt. Sicher variieren diese Vorgehensweisen von Schule zu Schule, aber die Ausmaße, welche eine Organisation annehmen kann und der ständige Drang zur Übertreibung, welcher sicher nicht nur die Pioniere betraf, werden deutlich. Der militärische Touch und der Hang zur Übertreibung konnten als pädagogische Maßnahmen total am Ziel vorbeischießen oder auch das gegenteilige erreichen. Dennoch hatte diese Organisation ein Händchen für sinnvolle Gestaltung der Freizeit und der Schulzeit, was uns meiner Meinung nach, heute absolut fehlt. Ich denke an gemeinnützige Aktionen, die Altstoffsammlung, Umweltaktionen, Feiern, Arbeitsgemeinschaften für Handwerk, Technik, Literatur, Mathematik, ...eine endlose Liste an Tätigkeiten für jedes Interessengebiet, welches einen kleinen Kopf bewegen könnte, und diejenigen, welche körperlich nicht ausgelastet waren, konnten sich in einer Vielzahl von sportlichen Aktivitäten in entsprechenden Vereinen austoben. Wichtig hierbei ist, daß der Kostenfaktor gar nicht oder nur im geringen Maße auf die Eltern zukam. Außerdem boten die Einrichtungen wie zum Beispiel der Hort, als verspielte Nachmittagsbetreuung bis zur 4. Klasse, den Eltern die Möglichkeit ihrer Arbeit nachzugehen, ohne sich Gedanken über den Verbleib ihrer Kinder zu machen. Die politische Lenkung der Kinder ist heute noch ein stark diskutiertes Thema. Meine Meinung ist, daß viele Inhalte der damaligen Politik das Problem waren, und nicht der Fakt, daß "Politikerziehung" in den Alltag der Kinder eingebaut wurde, denn mal ehrlich, welchem Kind oder Jugendlichem würde es denn heute schaden, über wichtige Punkte seines Systems in dem er lebt informiert zu sein. Daß dies in der DDR natürlich, wie so vieles, übertrieben wurde, muß, glaube ich kaum erwähnt werden. Ein weiterer Punkt sind die Gebote oder später die Gesetze, nach welchen ein Pionier sein Handeln richtet. Dies sind eigentlich Dinge, welche ganz bestimmt erstrebenswert waren und natürlich heute noch sind, und diese Art von Wertevermittlung wurde von der Schule übernommen, da sie damals wie heute in einigen Familien zu kurz kommt. Somit komme ich auf den Punkt der Schule als "Erziehungshilfe" zu sprechen, welcher eigentlich gar nicht so verkehrt war, ich denke nur an die Kummerschulter meiner Horterzieherin, an die endlosen Möglichkeiten, mit den Lehrern zusammenzuarbeiten, um seine schulischen und auch privaten Problemchen zu bearbeiten. Kurzum, die Schule und die Pionierorganisation gab dem Schüler die Möglichkeit sich in ein System zu integrieren, seine Schwächen und Stärken kennen zu lernen und zu bearbeiten, und dies in spielerischer Form, Aber auch Disziplin, Ordnung, Fleiß und Verhaltensregeln standen auf der täglichen Tagesordnung und wurden sogar im Endjahreszeugnis benotet. Auch hier muß ich sagen, daß dies nicht unbedingt schlecht war. Ein Pionier in der DDR gewesen zu sein war für mich keine schlechte Erfahrung, ich hatte viel Spaß und keine lange weile, wußte, daß ich gutes tun kann und meine Freunde habe, konnte mich kindlich entfalten, trotz militärischer Züge und Disziplin-Ausbildung, befand mich in einer großen Gemeinschaft, und fand immer ein offenes Ohr. (All diese Dinge sind natürlich auch in meinem Elternhaus gegeben :o) aber darum geht es ja hier nicht) Dies sind Dinge, welche für Kinder sehr wichtig sind. Heute bin ich mir dessen bewußt, daß das System in welchem ich aufwuchs nicht nur wirtschaftlich zum Scheitern verurteilt war, daß die so vielfältig propagierte Freundschaft über alles ganz schnell in eine fürchterliche Feindschaft über alles wechseln konnte, und daß leider eine total engstirnige Politik in allen Bereichen, diesem Teil Deutschlands jegliche Perspektive nahmen. Dennoch wies das System der DDR einige vereinzelte Eigenschaften auf, welche ganz sicher nützlich und sinnvoll waren und das Zusammenleben der Menschen offener und reichhaltiger gestalteten als es heute der Fall ist, diese Teile sind leider mit der DDR untergegangen, werden mitunter jetzt neu erfunden, aber oft auch langsam vergessen. |
|
damals Pionier in Wolgast, Bezirk Rostock - heute Wolgast, Mecklenburg-Vorpommern
|
156) Konrad (29) schrieb am 3.3.2004
|
Es ist sehr spannend zu lesen, daß es eine Sache zu geben scheint, die viele Beiträge auf dieser Seite vereint. Da ist etwas, daß in vielen von uns Sehnsucht hervorruft, das wir uns bewahren möchten, obwohl wir genau wissen, daß die DDR, so wie sie real existierte, vieles falsch gemacht hat und sehr vielen Menschen weh getan, was um so schlimmer ist, als das wir eigentlich angetreten waren, eine bessere Gesellschaft zu errichten. Aber was ist das eigentlich, daß diese Sehnsucht hervorruft? Ich habe vor kurzem ein Buch gelesen, in dem genau dieser Konflikt thematisiert wird. Es heißt "Immer bereit" von Daniel Wiechmann. Darin schreibt der Autor davon, das hinter der Ostalgie und Sehnsucht nichts anderes es die Vorstellung von einem anderen Miteinander (Solidarität), die viele von uns in der DDR erlebt haben und die Tatsache, daß dieses Miteinander als gesellschaftlicher Wert tatsächlich formuliert war, das ist, was uns fehlt. Ich glaube auch, daß viele von! uns sich nicht nur danach sehnen wieder ein blaues oder rotes Halstuch und seine weiße Pionierbluse zu tragen, sondern daß die Sehnsucht dem gilt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Menschlichkeit. So blöd und kitschig es klingt, aber meine Sehsucht gilt einer Gesellschaft, in der die Starken den Armen helfen, in der die Wertigkeit eines Menschen nicht an der Höhe seines Bankkontos gemessen wird, in der die Menschen auf Arbeit miteinander statt - im eigenen Karrierestreben verstrickt - gegeneinander arbeiten. Mittlerweile wissen wir alle, daß die DDR, so wie sie existiert hat, dem eigenen formulierten ideal sehr fern war. und das ist ebenfalls ein Aspekt der uns traurig macht. Aber die Idee einer besseren Gesellschaft, und das war eine der schönsten Botschaften des oben erwähnten Buches, ist nicht zwangsläufig mit der DDR untergegangen. Sie steckt schließlich in uns drinnen und je älter wir werden, je mehr Verantwortung wir im Leben übernehmen (bei der Erziehung unsere! Kinder, im Job) um so mehr haben wir es in der Hand, diese Vorstellung tatsächlich zu Leben. |
|
damals Pionier / FDJler in Berlin, Hauptstadt der DDR - heute Berlin
|
157) Claudia (40) schrieb am 8.3.2004
|
Wenn ich das alles so lese, so komme ich doch unweigerlich zu der Erkenntnis, daß wir bei uns in der Gegend (Gott sei Dank) krasse Außenseiter waren... Ich komme aus dem Eichsfeld, einer Region, in der fast alle katholisch waren (und es natürlich auch heute noch sind). Dort lief wirklich alles anders. Natürlich waren wir auch bei den Pionieren und in der FDJ(ohne zur Jungendweihe zu gehen), jedoch haben unsere Lehrer, von denen auch die meisten katholisch waren oder zumindest bei anderen nichts dagegen hatten, die sogenannten Pioniernachmittage und FDJ-Stunden immer so gestaltet, daß man genau merken konnte, daß Freizeitbeschäftigung nicht unbedingt was mit Staat und Politik zu tun haben mußte. Dafür muß man ihnen noch heute außerordentliches Lob zollen, denn so sind wir sozusagen "durch die Hintertür" humanistisch und nicht sozialistisch erzogen worden, es ist uns beigebracht worden, den Menschen nicht nur nach seiner Parteizugehörigkeit und der damit verbundenen Karrierechance zu beurteilen. Natürlich hatten wir auch die Altpapiersammlungen und anderen diversen Veranstaltungen, doch hat man uns, ohne daß das großartig ausposaunt wurde, vermittelt, daß z.B. Altpapiersammeln auch praktizierter Umweltschutz ist. Und in dieser Überzeugung haben wir ebensoviel und gern gesammelt wie anderswo zur Ehre des so und so vielten Parteitages. Diese "Ehrbekundungen" fanden sich dann nur in den Klassenbüchern und anderen diversen Abrechnungsmaterialien der Lehrerschaft wieder, denn die wurden ja von höherer Stelle kontrolliert. Und immer wieder aufs neue haben wir uns diebisch gefreut, wenn wir die offiziellen Verlautbarungen lasen und genau wußten, daß in Wirklichkeit ganz anders gelaufen war. Wir hatten im Eichsfeld ja auch eine Alternative zur Erziehung in der Schule, die christliche Wertevermittlung war durch den Staat einfach nicht zu unterbinden, was immer sich die Partei bei uns auch einfallen ließ. Dafür bin ich unendlich dankbar, denn heute, wo in der Gesellschaft wieder andere Prämissen gesetzt werden, die den Menschen aber auch nicht gut tun, kann ich meist sehr gut unterscheiden, was gut und was schlecht ist. Das habe ich in meiner Kindheit in dem ständigen Spagat zwischen Kirche und Staat gelernt. Und wenn wir mal ehrlich sind, gute Freizeitbeschäftigung heute geht auch noch, aber viele Eltern (und teilweise auch Lehrer) sind einfach zu faul, ihren Kindern durch entsprechende Lenkung zu einer vernünftigen Freizeitbeschäftigung zu verhelfen, weil sie es nicht mehr vorgeschrieben bekommen. Heute ist Eigeninitiative gefragt und das ist natürlich anstrengend... Nur als Abschluß: Wir lassen unseren Sohn Geige und Klavier lernen, Musik machen ist nun doch wirklich eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, oder? Und was kriege ich dann von einer Arbeitskollegin entgegengehalten? Warum ich mein Kind mit Musikinstrumenten quäle! Und das war nicht im Spaß gemeint! Letztlich bestärkt mich das aber in meiner Ansicht, daß eine vernünftige Wertevermittlung immer zu aller erst Aufgabe der Eltern ist und niemals auf Schule, Staat oder sonstwen abgewälzt werden kann. Das konnte man in der DDR ganz prima praktizieren, ohne aufzufallen, heute geht es nicht mehr und nun merkt man erst, wie schwach und überfordert viele Eltern sind. |
|
damals Pionier / FDJler in Dingelstädt, Bezirk Erfurt - heute Berlin-Lichtenberg
|
158) Birgit (43) schrieb am 23.3.2004
|
Auf mein blaues Halstuch war ich schon stolz als Kind und auf meine FDJ Bluse auch. In der 9. Klasse bin ich in einem MLK Singeclub eingetreten, eigentlich um Gitarre spielen zu lernen, das habe ich dann auch. Aber das Singen hat auch Spaß gemacht. Sag mir wo du stehst, war eins dieser Lieder. Zur Wende habe ich alle Bücher mit solchen Liedern weggeworfen, heute bereue ich dies, denn es waren auch Lieder mit guten Texten dabei, die ich heute vielleicht nie wieder finden werde. Für die Auftritte mit dem Singeclub gab es immer frei von der Schule. Die Auftritte waren nicht nur politisch gestaltet wir hatten auch Programme mit Volks- und Stimmungslieder zum Beispiel bei Rentennachmittagen. Proben hatten wir immer zweimal die Woche. Jedenfalls habe ich an diese Zeit viele schöne Erinnerungen. Als ich ausgelernt hatte und schon beruftätig war wurde ich von meinem Bereichleiter auf mein Hobby angesprochen zwecks der Freistellungen und zwar mit den Worten, das ich nur! noch frei bekäme, wenn ich in die Partei eintrete. Erst habe ich abgelehnt, bin dann aber doch eingetreten. Und von da an hat mir das Singen keinen Spaß mehr gemacht. Nach einem Jahr bin ich wieder ausgetreten und man hat mir nur noch Steine in den Weg gelegt. Das war eine schlimme Zeit. |
|
damals Pionier / FDJler in Calbe/Saale, Bezirk Magdeburg - heute Stade bei Hamburg
|
159) Kai (29) schrieb am 25.3.2004
|
Um es salopp zu sagen: Etwas schöneres, als die Kindheit, die ich in der DDR hatte, konnte mir nicht passieren. Wenn ich heute mal mein Hausaufgabenheft aus der 7. Klasse von 1988 hervorkrame und durchblättere, was ich als einziges aufgehoben hatte, so sind darin zwar allerlei Termine und Veranstaltungen verzeichnet, daß man sich heute fragt, wie man das nur alles schaffen konnte. Doch irgendwie muß es gegangen sein, wenn ich mir heute überlege, was wir neben dem "organisierten Leben" in der Schule so alles in unserer Freizeit unternommen haben. Besonders im Frühjahr, der Schnee war kaum getaut, zog es uns, die wir auf dem Land wohnten, raus in die Natur. Wir brachten unsere Angeln in Schuß, kneteten Teig und streiften am Ufer entlang zu unseren entlegenen Angelstellen. Wenn schließlich im Mai, Juni die Sonne höher stand, ruderten wir mit unserem Boot, einem alten Angelkahn der Marke "Anker 4" über den See, schlugen am Ufer unsere Zelte auf, badeten und angelten den ganzen Nachmittag und entfachten am Abend ein zünftiges Lagerfeuer an dem wir es uns mit Gegrilltem und einem "gepflegten Bier" gut gehen ließen. Nachts wurde es dann manchmal so kalt, daß wir kein Auge zudrücken konnten, aus unserem Zelten krochen und die Nacht dann am Feuer verbrachten. Es war einfach herrlich zu erleben (wenn auch mit ziemlich müden Augen dann), wie die Natur in den Morgenstunden erwachte, seltene Vögel wie der Trauerschnäpper im Morgengrauen zu singen begannen und sich kurzzeitig Nebel über den See senkte. Heute könnten wir das so mit Sicherheit nicht wiederholen. Das alleinige Fischereirecht auf "unserem" See hat 1990 ein alter Fischer erhalten, dessen Fanggelüste heute weniger den Fischen als vielmehr den Anglern gelten... Und zwischen See und Wald beginnt das "Hoheitsgebiet" eines zugezogenen Jagdpächters, der nicht weniger auf Zack ist. Lagerfeuern hat er dem Hörensagen nach bereits mehrfach den Garaus gemacht und "den Fall" an das Ordnungsamt übergeben. Was bleibt, sind die Erinnerungen an unsere damalige Freizeit, die uns zum Glück keiner nehmen kann :-) Was mich allerdings in diesem Zusammenhang irritiert, ist, daß z.B. in TV-Reportagen über die DDR bis heute nur in diesem fremdartigen ironischen Unterton berichtet wird. |
|
damals Pionier / FDJler in Lübben, Bezirk Cottbus - heute Potsdam, Brandenburg
|
160) Anke (24) schrieb am 8.4.2004
|
Ich wurde 1980 in der DDR geboren. Ich war in der Gruppe der jungen Rezitatoren. Gedichte lernen und aufsagen und so. Diese wurden dann auch vorgetragen und man bekam Preise. Ich suchte mir damals ein Briefpapier aus. Einmal hatte ich das Halstuch beim Appell vergessen, das gab ganz schön Theater (richtig binden konnte ich es auch nie). Durch Westbekannte kamen wir auch ab und an mal an eine Micky Maus Zeitung ran. Die habe ich dummerweise mal mit in die Schule genommen, Klar das sie gleich einkassiert wurde. Könnt ihr euch noch an die Schulmilch erinnern? In den Flaschen, irgendwie hat immer einer statt Erdbeer Kakao genommen und zum Schluß mußte man nehmen was da war. An Nadelarbeiten und Schulgartenunterricht kann ich mich gut erinnern. Wieso nur gibt es das heutzutage nicht? *kopfschüttel* Gelesen habe ich damals natürlich die Frösi (da waren immer tolle Sachen zum basteln drin, so dicke Ritterfräulein und so) die Bummi und die ABC Zeitung. Die wurde auch oft im Deutschunterricht gelesen. Sero haben wir auch gesammelt. An die Pionierabende kann ich mich nicht erinnern. Im Ferienlager war ich leider auch nicht. Was auch immer eine Sensation war, wenn es Melonen oder Bananen gab. Vom Fenster aus konnten wir zur Kaufhalle gucken, wenn eine lange Schlange zu sehen war, mußte ich immer losrennen und mich anstellen. Meine Mutter kam dann später nach. Kennt ihr noch Lolek und Bolek? Von denen hatte ich auch ein Heft, heute ist es leider nicht mehr in meinem Besitz. Meine Eltern hatten damals einen Trabbi und später einen Wartburg. Ein Telefon hatten wir nicht. Ich erinnere mich an das Eis in diesen Plastebechern. Da gab es dann auch so kleine bunte Löffelchen dazu, wo irgendwelche Namen draufstanden. In den Ferien gab es Ferienspiele, leider habe ich da auch nicht allzuoft teilgenommen. Man bekam dann eine Papiertüte mit leckerem frischen Brot, ein ei und Tomate waren dabei. War das bei Euch auch so? Unsere Schulspeisung gab es in der Essenbaracke. Ein hornaltes Gebäude mit alten Tafeln und Löchern darin. Wenn wieder mal Läuse umgingen, kamen Irgendwelche Leute und jedes Kind wurde auf Läuse untersucht. Der Zahnarzt kam auch ab und an. |
|
damals Pionier in Schönebeck, Bezirk Magdeburg - heute Landsberg, Bayern
|
|